home

Demerath

Geschichte



Vor- und Frühgeschichte

Erste Zeichen einer dichteren Besiedelung der Gegend um Demerath stammen aus der Zeit etwa ab 800 vor Christus. Die Bevölkerung in den folgenden Jahrhunderten ist dem Kreis der keltischen Stämme zuzurechnen. Ihre markanteste Hinterlassenschaft sind die Überreste einer Befestigungsanlage: der Ringwall auf der Steineberger Ley, ca. 2km von Demerath entfernt. In der näheren Umgebung finden sich auch zahlreiche Hügelgräber aus dieser Zeit. Einige Flüsse, Berge und Orte tragen heute noch Namen keltischen Ursprungs. Caesar nennt den hier siedelnden Keltenstamm Treverer (augusta treverorum = Trier).

Die Unterwerfung der Treverer durch die Römer ab ca. 60 v.Chr. führte eher zu einem Aufblühen des Lebens in diesem Teil der Eifel. Hier kreuzen sich mehrere sehr alte Handelswege, die von den Römern für ihre Militärlogistik noch ausgebaut wurden. In den fast 500 Jahren der Römerherrschaft wurden viele vorher unbekannte Kulturerrungenschaften eingeführt.

Mit dem Zusammenbruch des römischen Reiches um 400 n.Chr. scheint mit den Römern auch die gallisch-keltische Bevölkerung unter der Bedrohung durch die germanischen Franken diese Gegend der Eifel weitgehend verlassen zu haben. Sedimentuntersuchungen in den Dauner Maaren lassen vermuten, dass die landwirtschaftliche Nutzung außerordentlich stark zurückging. Erst ab ca. 900 n.Chr. wird das Land nach und nach wieder durch Franken besiedelt. Die meisten Dorfgründungen stammen wohl aus dieser Zeit. Im Gegensatz zu Kelten und Römern, die gerne auf Höhen siedelten, bevorzugten die Germanen eher die Randgebiete der Bachtäler. Ob an der Stelle des Dorfes Demerath zur Keltenzeit schon eine Siedlung war ist nicht bekannt, aber eher unwahrscheinlich.


900 Jahre Demerath

Im Jahre 1075 schenkt Erzbischof Anno von Köln dem Stift Maria ad gradus (Maria zu den Stufen) Gutsbesitz, und zwar den in der Prekarie mit der Königin Richezza erworbenen, darunter zu Diemunderode und das Gut Cloven. Daß es sich bei dem genannten Diemunderode um das spätere Demerath handelt, ist nachgewiesen durch die laufende Veränderung des Ortsnamens, der sich im Laufe der Zeit immer mehr dem heutigen Demerath angepaßt hat.

Im Jahre 1341 wird der Ort erstmalig mit Diemolderode, 1488 mit Demerode, bereits 1498 mit Demerait, 1587 mit Diemenrodt und im 17. Jahrhundert mit Demeradt erwähnt. Außerdem ist nachgewiesen, daß im Jahre 1333 der Ritter Egidius, Herr zu Daun, von Probst und Kapitel des Stifts Maria ad gradus zu Köln, die Springiersbacher Güter in Demerath für 90 Mark abkaufte. Eine notariell beglaubigte Abschrift von 1716 der Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1075 befindet sich bei dem Stadtarchiv in Köln.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Ort jedoch wesentlich älter als diese erstmalige urkundliche Erwähnung. Dies ist aus den später geschilderten Funden in der Gemarkung zu schließen. Die Endung -rath deutet auf eine Rodung hin, die in den damals noch dichten Wäldern der Eifel angelegt worden ist, und die Vorsilbe Diemund- des ältesten Namens gibt einen Mann namens Thiomund an, der vielleicht die Rodung angelegt oder sie als erster bewohnt und bebaut hat.

Landesherr war immer der Kurfürst von Trier. Das Erzstift hatte zeitweise mehrere adlige Familien mit Gütern in Demerath belehnt, welche aber dem Erzstift nach und nach wieder anheim fielen, so im Jahre 1591 das Lehn der von Orley, 1608 das der von Wassenberg und 1623 das Lehn der von Monreal. Demerath hatte eine freie Bannmühle. Sie gewährte einem Verfolgten drei Tage und sechs Wochen freien Aufenthalt und Sicherheit vor dem Zugriff der Verfolger (siehe Weisthum von 1578). Die Demerather Mühle ist noch gut erhalten und wird noch bewohnt. Sie ist ein beliebtes Wanderziel.

In Demerath war ein Hochgericht, auch Halsgericht oder peinliches Gericht genannt. Es richtete über Verbrechen, die "zu Hals und Hand" geahndet wurden, d. h. Todes- und Verstümmelungsstrafen. Vor der Pfarrkirche steht noch heute der Gerichtsstein aus kurfürstlicher Zeit. 1587 wurde ein Galgen in Demerath errichtet.

M.K.

[Quelle: Festschrift "900 Jahre Demerath", 27. bis 29. Juni 1975,
Verfasser: Bürgermeister Manfred Kordel]

Im Heimatjahrbuch des Kreises Daun war in der Ausgabe für 1977 ein kleiner Bericht über die 900-Jahr-Feier zu finden:

º http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb1977/hjb1977.12.htm


Geschichte der Kirche und Pfarrei Demerath

...

Bei der Visitation der Pfarrei Wollmerath im Jahre 1569 wird auch die Kapelle in Demerath erwähnt, die dem heiligen Petrus geweiht war und zwei Altäre und zwei Kelche besaß. In ihr wurde alle vierzehn Tage samstags eine heilige Messe gefeiert. Erst ab 1657 erscheinen in den Akten die Apostelfürsten Petrus und Paulus gemeinsam als Patrone der Kapelle von Demerath.

Zu dieser Zeit gehört der Ort schon lange dem Erzbischof von Trier. Dieser hatte verschiedene ritterliche Familien mit Gütern in Demerath belehnt, die ihre Lehen nacheinander an ihn zurückgeben mußten.

Bis 1794 gehörte Demerath zum Amt Daun im Erzbistum Trier. Im Gefolge der französischen Revolution wurde die politische Macht des Erzbischofs abgeschafft. Nach kurzer Zugehörigkeit zum Kaiserreich Napoleons kam Demerath dann mit dem übrigen Kreis Daun zur preußischen Rheinprovinz. Der von Napoleon eingesetzte französische Bischof Charles Mannay ordnete das Bistum neu. Er gründete 1803 die Pfarrei Demerath. Da die Kapelle zu Demerath, die 1724 gebaut worden war, nun Pfarrkirche wurde, mußte man sie im selben Jahr (1803) nach Osten und Westen erweitern. Der Turm wurde erst 1827 neu errichtet. ...

Bischof Mannay hatte der neuen Pfarrei auch zwei Filialen der Pfarrei Mehren, Steineberg und Steiningen, zugeteilt. Beide Filialdörfer wollten aber nach Mehren zurück. Steiningen erreichte 1805 die Rückgliederung, Steineberg verblieb bei Demerath. ...

[Quelle: Festschrift "900 Jahre Demerath", 27. bis 29. Juni 1975,
Verfasser: Kaplan Michael Hoellgen; Ausschnitte]


Leid und Not im Dreißigjährigen Krieg.

...

Die große Weltgeschichte ging an ihnen (Anmerkung: den Dörfern des Amts Daun) vorüber. Weltbewegende politische Ereignisse und entscheidende Schlachten, über die Geschichtsbücher schreiben, spielten sich nicht in der Hocheifel ab. Aber Fehden, Brandschatzungen und Plünderungen sah sie zur genüge. Pest, Hunger und kleine Kriege zogen übers Land und hinterließen leidvolle Spuren. Pest- und Gedenkkreuze erinnern uns daran. Es war die Zeit, in der viele Siedlungen, Gehöfte und Dörfer (z.B. Weinfeld bei Daun) durch Pest und Not zugrunde gingen, - die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. ...

Auch unsere Vorfahren ... erlebten die Schrecknisse einzelner Kämpfe jenes Krieges. Noch heute hält sich die Erinnerung an einen davon in Erzählungen von der "Schwedenschlacht an der Steineberger Ley" (11. Juni 1644). ...

In allen Berichten, die diese angebliche "Schlacht" bei Steineberg erwähnen, werden die Soldaten als Schweden bezeichnet. Aber genau dies ist nachweislich nicht der Fall. Es waren keine Schweden, sondern unsere eigenen Verbündeten - katholische Lothringer. Den besten Beweis liefert unter anderem ein Bettel-Brief des Weinfelder Pfarrers Johann Scheid, den dieser am Tage nach diesem entsetzlichen Zwischenfall an seinen Wohltäter und "Arbeitgeber" (=Kollator) Johann Simon Zandt von Merl nach Brüssel schrieb. ...

"Hochwürdig und Wohl Edelgeborener Gnädiger Herr, Er. Hochwürden und Gnaden kann hiebey unberichtet nit laßen, waß gestalt gestern morgen, als eine starke lotharingische Parthey bey Demerad die von verschiedenen Dörffern dorthin geflüchtete Leuth und Viehe angefallen, auch übermeistert, under andern darüber entleibten Underthanen der Herr Pastor zu Wolmerod unschuldig und jammerlich umbs Leben kommen."

[Quelle: Alois Mayer: Steiningen 1193 - 1993, herausgegeben von der Gemeinde Steiningen zur 800-Jahr-Feier, 1992]


Prominenter Demerather: Pfarrer Ost

OST, Johann, Kulturhistoriker,
* 5.1.1806 in Alsfassen (St. Wendel),
+ 5.6.1871 St. Wendel.

O. entstammte einer bäuerlichen Familie und wurde nach dem Studium der katholischen Theologie am 18.9.1830 in Trier zum Priester geweiht. In den Folgejahren bekleidete er Kaplanstellen in Neunkirchen sowie Bitburg und amtierte ab 1834 als Pfarrer in Limbach, ab 1847 in gleicher Funktion in Kelberg und seit dem 1.12.1851 als Pastor von Demerath.

Dieses Eifeldörfchen, in dem er bis zur Emeritierung 1869 wirkte, war der eigentliche Ort seiner kulturhistorischen und sonstigen Aktivitäten. Nicht weniger als 118 vorzeitliche Grabhügel, 30 befestigte Plätze, Landgräben, Burgen, Römerstraßen, Wüstungen und Höfe hat er erforscht und beschrieben. O. war korrespondierendes Mitglied der bedeutenden Trierer Gesellschaft für nützliche Forschungen, gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten Eifelforscher des 19. Jahrhunderts und hat sich auch als Musiker einen Namen gemacht.

Bei der Erstellung des weit über die Grenzen des Bistums hinaus bedeutsamen ersten Trierer Diözesangesangbuchs hat er sich energisch für die Beibehaltung bzw. Wiederbelebung des lateinischen Chorals engagiert, ohne jedoch bei den zeitgenössischen restaurativen Tendenzen die seelsorgerlichen Belange aus dem Auge zu verlieren und etwa das gesamte muttersprachliche Liedgut aus dem Gottesdienst zu eliminieren. Treffend hat O. die Misere in den Kirchen geschildert: der Choral werde nicht gut vorgetragen, sondern »bis zu einem wilden Jagdgeschrei intoniert, zu hastig, lückenhaft etc. ohne Zusammenhang und holpericht« gesungen. Dies liege vor allem darin begründet, daß zu wenig ausgebildete Kirchenchöre bestünden; in aller Regel sei zu beobachten, daß »da ein schmächtiges Schulmeisterlein ganz allein in der Kirche an dem schweren Choral sich abmüht.« O. hat für seinen Kirchenchor mehrstimmige Messen und einige Motetten geschrieben.

Seine Kompositionen sowie seine »Antiquarische Beschreibung des Kreises Daun« sind verschollen, weil zur Zeit des Dritten Reiches sein Nachlaß im Geburtshaus zu Alsfassen unverständigerweise einer »Entrümpelung« zum Opfer gefallen ist.

Werke:

Über den Steinring bei Gerolstein, die Dezenlei genannt, in: Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier vom Jahre 1854 (Trier 1855) 12-13;

Geschichte der ehemaligen Herrschaft und des Hochgerichtes zu Wollmerath, in: Jahresbericht a.a.O. 1856 (Trier 1857) 27-41, 1858 (Trier 1859) 35-43 und 1859 /60 (Trier 1861) 30-34;

Die Wallfahrt nach Jerusalem, oder Ludwig von Deudesfeld, Kreuzfahrer, Pilger und Priester. Eine Erzählung aus den Jahren 1187-1250. Aus: Dauner Kreis-Blatt 1861;

Die Entersburg bei Bertrich, in: Jahresbericht a.a.O. 1858 (Trier 1859) 34-35;

Die Grabmäler in der Kirche zu St. Wendel: a.a.O. 35;

Weitere archäologische Berichte in: Jahresbericht a.a.O. 1852 (Trier 1853) 7-9, 1853 (Trier 1854) 11 und 1855 (Trier 1856) 54.

Lit.:

Josef Steinhausen, Archäologische Siedlungskunde des Trierer Landes, Trier 1936, 18, 25, 42 und 324; -

Der Weltklerus der Diözese Trier seit 1800, hrsg. vom Diözesanarchiv, Trier 1941, 254 und 427; -

Alois Thomas, Archivalische und historische Arbeiten im Bistum Trier unter Bischof Josef von Hommer (1824- 1836), in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 1 (1949) 183-208, 206 f.; -

Klaus Jung, Pfarrer Johann Ost, der Eifeler Kulturhistoriker aus dem St. Wendeler Land, in: Saarländische Volkszeitung vom 19.10.1950; -

Klaus Mark, Eifelforscher Pfarrer Johannes Ost, in: Trierische Landeszeitung 81 Jg. Nr. 222 vom 24./25.9.1955. Beilage: Die Porta; -

Ders., Einem Eifelforscher zum Gedächtnis, in: Die Eifel 56 (1961) 201; -

H.-Kl. Schmitt, Artikel Ost, in: Kurzbiographien vom Mittelrhein und Moselland, Trier 1967- 1975, 180; -

Katharina M. Reidel, Geschichte der Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier (1801- 1900). Wissenschaftliches Streben der bürgerlichen Gesellschaft im Trierer Raum während des 19. Jahrhunderts, Trier 1975, 83 und 161; -

Anton Sartoris, Eiflia non cantat, in: Die Eifel 73 (1978) 86 f.; -

Ders., Hab oft im Kreise der Lieben... Betrachtung zur Geschichte des Chorgesangs, in: Heimatjahrbuch des Kreises Daun 1990, 196-199; -

Martin Persch, Das Trierer Diözesangesangbuch von 1846 bis 1975. Ein Beitrag zur Geschichte der Trierer Bistumsliturgie (= Trierer theologische Forschungen Bd. 44) Trier 1987, 134-136; -

Ders., Eiflia non cantat?, in: Heimatjahrbuch des Landkreises Daun 1989, 227-232.

[Quelle: Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexikon

º http://www.bautz.de/bbkl/o/ost_h.shtml

Autor: Martin Persch]

[Die Angabe zum Sterbeort stammt von Roland Geiger, St. Wendel. Die Ortschaft Alsfassen gehört seit 1859 zu St. Wendel.]


Demerath 1896

"Demerath liegt auf zwei Hügeln. Die beiden Teile, Ober- und Unter- oder Niederdorf, sind durch ein Wiesental getrennt. Zur jetzigen Jahreszeit macht Demerath für den Beschauer keinen üblen Eindruck. Die Häuser liegen teilweise hinter blühenden Obstbäumen versteckt. Die blumigen Wiesen und die grünen Saaten machen das Ganze zu einem schönen Bilde. Beeinträchtigt wird dasselbe allerdings sehr durch die Häuser selbst. Die alten Strohdächer machen durchaus keinen freundlichen Eindruck. Schieferdächer sieht man verhältnismäßig wenig. Für die Einwohner ist das Decken mit Stroh augenblicklich billiger, wenn auch ja später durch die Reparaturen etc. das Strohdach tatsächlich teurer wird, abgesehen von den Nachteilen, welche die große Feuergefahr bringt. Die Häuser selbst sind meistens nur im untersten Stockwerke aus Steinen erbaut. Das obere Stockwerk ist meistens Fachwerk, sogar eine Menge Häuser haben nur Lehmwände. Doch sind die in letzter Zeit erbauten meist massiv erbaut. Die Wege im Orte sind nur bei recht trockenem Wetter gut zu nennen. Da nicht überall Straßenrinnen angelegt sind und die vorhandenen teilweise schlecht unterhalten werden, läuft bei regnerischem Wetter das Wasser über die Straße, und es entsteht ein Schlamm, der das Passieren des Weges nicht zu einer Annehmlichkeit macht. Das Schulhaus ist im Jahre 1855 erbaut worden. Es liegt an der kältesten Stelle des Ortes. Der Schulsaal ist hell, auch für die gegenwärtige Kinderzahl (65) geräumig genug.

Demerath bildet für sich eine politische Gemeinde. Zu derselben gehört noch die Demerather Mühle. Die Kinder von letzterer besuchen die Schule zu Wollmerath. Demerath hat 95 Häuser und 362 Einwohner. Die Einwohner ernähren sich größtenteils von Ackerbau, der meist mit Ochsen und Kühen betrieben wird. Es sind nur 6 Pferde im Orte. Eine schöne Einnahmequelle bildet für einige die Viehzucht. Wegen der Maul- und Klauenseuche ist die Einnahme aus letzterer allerdings gegenwärtig stark geschmälert. Viele junge Leute aus Demerath arbeiten in und um Köln oder sonst am Niederrhein in den Fabriken oder sind als Knecht auf die großen Bauernhöfe dort verdingt; denn nicht alle können in der Heimat hinreichende lohnende Beschäftigung finden. Da manche derselben in der Fremde heiraten und seßhaft werden, nimmt die Bevölkerungszahl nicht zu."

Müller, Lehrer

[Quelle: Schulchronik I Demerath]

Zur Verfügung gestellt von Heinz Schmitz, Gerolstein,
ehemaliger Lehrer der Volksschule Demerath.


Eisenbahn

Die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Mayen-Daun-Gerolstein am 13. Mai 1895

"Obwohl diese neue Bahnstrecke noch etwa 7 km von hier entfernt ist, bringt dieselbe doch sehr bedeutende Vorteile. Schon die Arbeiten bei dem Bahnbau brachten vielen starken Arbeitskräften reichlichen Verdienst, was sich schon gleich durch ein regeres Leben in diesem so stillen, einsamen Dörfchen bemerkbar machte. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke selbst stellt sich der Bezug auswärtiger Produkte durch die Bahn bedeutend billiger. Hatte man doch vordem bis zur nächsten Bahnstation bis Ürzig- Moselbahn - oder Gerolstein - Eifelbahn - etwa 30 km, welche Entfernung jetzt bis auf 7 km gekürzt ist. Besonders macht sich der um das Dreifache gesteigerte Verbrauch von Kunstdünger für die Landwirtschaft bemerkbar, namentlich von Thomasmehl und Kalk. Täglich bringt diese Bahn nunmehr den Sommer hindurch viele Fremde in die wundervollen Eifelberge. Auch viele Demerather Kolonisten, welche sich in dem industriereichen Niederlande bei Köln angesiedelt haben, benutzen diese bequeme Fahrgelegenheit, um nach mehrjähriger Abwesenheit einige Tage bei ihren Angehörigen in der alten Heimat zu verweilen. Von allen Bewohnern des Kreises wurde die Eröffnung dieser neuen Bahnstrecke mit Freuden begrüßt."

[Quelle: Schulchronik I von Demerath, Seite 18]

Zur Verfügung gestellt von Heinz Schmitz, Gerolstein,
ehemaliger Lehrer der Volksschule Demerath.


Inflation

Erinnerungen an die Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg

Schülerinnen und Schüler befragen ihre Großeltern und ältere Nachbarinnen und Nachbarn.

Die Inflation nahm ihren Anfang im Jahre 1917. Von 1921 an ging es mit immer schnelleren Schritten bergab. Im Jahre 1923 stellten Städte und Kreise Geldscheine aus und brachten sie in Verkehr. Ein anschauliches Bild jener Vorgänge geben uns folgende Tatsachen:

Im Juni 1923 hatte meine Frau fast alle Waren unseres Gemischtwarengeschäftes ausverkauft. Es war nach unserer Kirmes, da fuhr sie mit einem Rucksack voll Papiergeld nach Wittlich, um wieder einzukaufen. Für das ganze Geld erhielt sie zwei Eimer Marmelade. Doch fehlten noch hundertachtzigtausend Mark. Der frühere Schlagmeister Peter Lenerz wollte einemal eine Schatel Streichholz kaufen. Dafür belegte er einen ganzen Tisch mit Einmarkstücken. Die reichten noch nicht. Während der Inflationszeit wurden immer größere Scheine gedruckt. Am 1. November 19.. kippte die Sache um. Da war eine Billion eine Mark wert.
(Peter Burghardt)

In der Inflationszeit kaufte eine Demerather in Mayen einen Milchkocher für eine Milliarde und einen Becher für fünfhundertmillionen Mark. Der Herr Bretz ging während der Inflation einmal nach Ulmen einkaufen. Er hatte viel Geld in der Tasche, klopfte unterwegs oft darauf und sagte: "Heute hab ich viel Geld, heute kann ich mir viel kaufen." Wie erstaunt war er, als das Geld nicht einmal für ein Kästchen Streichholz reichte.
(Johann Kiefer, geb. 1895)

Ein Mann aus Meiserich fuhr zum Neubau einer Straße eine ganze Woche lang mit dem Fuhrwerk Material an. Am Wochenende wollte er für seinen Lohn nach Mayen einkaufen fahren. Vieles hatte er sich zum Einkauf notiert. Als er aber auf dem Ulmener Bahnhof eine Fahrkarte nach Mayen kaufen wollte, reichte sein gesamtes Geld dafür nicht aus.
Zuletzt handelten die Bauersleute mit Korn, Kartoffeln, Butter und Eiern. Dafür gaben die Städter Kleider, Kochtöpfe und andere Farbrikwaren.
(Josef Milz)

Zur Zeit derGeldentwertung baute ich viele Tage an einem Feldweg. Von dem Lohn konnte ich mir nicht einmal ein Kästchen Streichholz kaufen. Wer tausend Mark Schulden hatte, konnte sie mit einem Ei bezahlen.
(Johann Stolz)

Nach dem Ersten Weltkrieg stiegen die Preise immer höher. Es wurde Notgeld gedruckt. Was heute zwanzig Mark kostete, kostete morgen schon fünfundzwanzig bis dreißig Mark. Zuletzt musste man für eine Schachtel Streichholz eine Billion zahlen. Am Ende bekam man für Geld nichts mehr. Es wurden Tauschgeschäfte gemacht. Die Bauern fuhren teilweise Holz für die französische Besatzung und erhielten dafür den wertvolleren Franc. Wer Arbeit suchte, ging meistens ins Saarland, nach Luxemburg oder Elsaß-Lothringen.
Jede Stadt, sogar kleine Kreisstädte wie Daun, Mayen, Cochem und Wittlich, druckte ihr eigenes Geld. Als die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hatte, wurden die Arbeiter täglich entlohnt, damit sie noch am gleichen Tage einkaufen konnten. Niemand arbeitete für Wochen- oder Monatslohn. Wer viele Schulden hatte, stand sich in der Inflation am besten.
(Katharina Kordel, geb. 1889)

Aufgeschrieben und zur Verfügung gestellt von Heinz Schmitz, Gerolstein, ehemaliger Lehrer der Volksschule Demerath.


Nachkriegszeit

Vom Fachwerk und Moosdach zum lichten Bauernhof

Demerath (Kreis Daun)

Das Dorf im Talkessel zwischen Gillenfeld und Ulmen führte viele Jahrhunderte ein abgeschiedenes Dasein. Erst in den letzten Jahren ist es näher an die Verkehrslinien zwischen Daun und Wittlich herangerückt.

350 Einwohner zählt der Ort und darf sich unter Führung des Nachkriegsbürgermeisters Fleschen einer Initiative erfreuen, die selbst bei einem flüchtigen Blick über die Dorfstraße vorbildlich in die neue Zeit hineinragt.

Über ein Dutzend neue Bauten, Wohnhäuser und Ökonomiegebäude, haben seit fünf Jahren die Zeit des Moosdaches abgelöst. Wo vor Jahren, als die agrarsoziologische Denkschrift des Kreises Daun die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler auf Demerath lenkte, im Zerfall begriffene Fachwerkbauten den Beobachter "jenseits der Eifelromantik" führten, erheben sich heute lichte Bauernhäuser mit neuzeitlicher Innenausstattung. Nur ein Moosdach ist noch geblieben, gleichsam als Wahrzeichen der Vergangenheit - und vielleicht auch als Zeuge dafür, daß die finanziellen Hilfen zum innerörtlichen Strukturwandel noch eines Nachtrags bedürfen.

Daneben aber beeindruckt die moderne Bauweise neuerstandener Ökonomiegebäude. Sie sind durch ihre aufgeschlossene Bauweise aus der frühen Enge ineinandergeschachtelter Höfe herausgewachsen. Zwar sind die Spuren des Alters von Demerath als einer der ältesten Niederlassungen der Eifel nicht alle verwischt, sondern teilweise mit Bedacht und Sorgfalt hineingesponnen in die bauliche Umgestaltung, die dem malerischen Dorf an der Kreisgrenze Daun-Cochem wirtschaftlich und kulturell neue Lebensadern erschlossen hat.

Sagenumwoben kuscheln sich die Häusergruppen des durch ein Wiesental voneinander getrennten Ober- und Unterdorfes um die markant placierte Kirche, deren Marienglocke bald ein halbes Jahrtausend ehernen Rufes vollendet. Bereits um die Jahrtausendwende wurde Diemunderode in den Annalen des Erzbischofs von Köln erwähnt. Und manches in den letzten Jahren von der baulichen Umgestaltung erfaßte Gebälk war in bewundernswerter Lehmumhüllung über 1000 Jahre vor dem Zahn der Zeit bewahrt.

Als vor mehr als hundert Jahren die Allscheider Nachbarn über den großen Teich zogen, waren die Gespräche über die Flucht vor der Eifelscholle auch in Demerath an der Tagesordnung. Aber die Gebundenheit an die heimatlichen Fluren war stärker als verlockender Drang zum Goldspeicher ferner Erdteile. Ein Jahrhundert später ebnete der Pflug den wirtschaftlichen Heidegürtel um das Dorf, und gemeinschaftliche Selbsthilfe verwandelte Öde und Sumpf in sprießende Fluren.

Demerath hat mit erstaunliche Initiative den Anschluß an die neue Zeit gefunden. Viele Jahrzehnte bewegten sich, bedingt durch die strukturellen Nöte, Wohnkultur und wirtschaftliches Denken nur bedächtigen Schrittes vorwärts. Dann lenkte das Blitzlicht der Reporter den Blick der Öffentlichkeit auf die Märchenwelt zwischen Fachwerk und Moosdach und bildete den Auftakt für einen spontanen Umbruch. Die Initiative, gefördert von den kommunalen Behörden, wuchs aus der Bauernstube in die Breite. Und gerade darauf dürfen die Demerather stolz sein, weil kaum irgendwo anders im Eifelland ein ähnlich markantes Beispiel von der Macht dörflichen Gemeinschaftslebens und von den Möglichkeiten eines raschen Umbruchs geboten ist, wie dort im romantischen Tal zwischen Gillenfeld und Ulmen, wo im Zeitlauf eines halben Jahrzehnts hundertjähriger Stillstand aufgeholt wurde.

Nico Sastges

3 Fotos: Linden-Scheune mit Stohdach (Oberdorf), Neubau Johann Jungen (Unterdorf), Schule und Kirche

Trierische Landeszeitung, 83. Jahrgang - Nr. 62 - Seite 3

Zur Verfügung gestellt von Heinz Schmitz, Gerolstein, ehemaliger Lehrer der Volksschule Demerath.


Entstehung der Verbandsgemeinde Daun

Nach der am 1. Oktober 1968 in Kraft getretenen Verbandsgemeindeordnung sollten nämlich Verbandsgemeinden mindestens 7.500 Einwohner haben, um gleichwertige Lebensverhältnisse sowohl im ländlichen Raum als auch zwischen Stadt und Land zu erreichen. ...

Die kleineren Verbandsgemeinden Gillenfeld (4.256 Einwohner) und Niederstadtfeld (4.175 Einwohner) fürchteten im Hinblick auf ihre geringe Einwohnerzahl um ihren Bestand. ...

Auch die Verbandsgemeindevertretung Gillenfeld faßte am 22. Dezember 1969 eine Entschließung. Sie sprach sich, sofern der eigene Erhalt nicht gesichert werde, für eine Zuordnung der gesamten Verbandsgemeinde Gillenfeld mit allen Orten zur neuzubildenden Verbandsgemeinde Daun aus. Daran wurde die Forderung geknüpft, daß insbesondere die Infrastruktur verbessert und vorhandene Einrichtungen erhalten bleiben müßten. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß bei einem alleinigen Zusammenschluß der Verbandsgemeinden Gillenfeld und Niederstadtfeld der zentrale Mittelpunkt für den Verwaltungssitz fehle. ...

Durch das Achte Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz vom 28. Juli 197o wurden die Verbandsgemeinden im Kreise Daun mit Wirkung vom 7. November 197o neugebildet:

Die Verbandsgemeinde Daun entstand aus den Gemeinden

Sitz der Verwaltung der neu gegliederten Verbandsgemeinde Daun wurde Daun.

[Quelle: Homepage der Verbandsgemeinde Daun]