Eine michls-Seite von 2007-2009

Die Hohe Straße

Eine vorgeschichtliche Altstraße zwischen Kocher und Jagst

Der Kocher und die Jagst sind zwei kleine Flüsse im Norden Baden-Württembergs. Sie münden in nur etwas mehr als zwei Kilometern Abstand auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Bad Friedrichshall von Osten her in den Neckar, der Kocher im Ortsteil Kochendorf, die Jagst bei Jagstfeld. Auf der anderen Neckarseite liegt ganz in der Nähe die ehemalige Reichsstadt Wimpfen. Von dort führt eine uralte Fernverbindung auf dem Höhenrücken zwischen Kocher und Jagst nach Osten in Richtung Rothenburg und Nürnberg. Wie auch zahlreiche andere Altwege dieser Art trägt sie den Namen "Hohe Straße". Die Bezeichnung hat durchaus zwei Bedeutungen. Sie verweist zunächst auf ihren Verlauf über die Höhenzüge, aber auch auf ihre überregionale Bedeutung. Für Fernstraßen dieser Art galt kaiserliches Recht.

Diese Seite beschäftigt sich mit dem ersten Abschnitt der Fernstraße: Von Jagstfeld am Neckar gegenüber Wimpfen bis nach Mulfingen-Heimhausen, wo die Hohe Straße die Jagst überquerte, um das Gebiet zwischen Kocher und Jagst auf ihrem Weg nach Osten zu verlassen. Unter dem Menüpunkt "1948" ist eine Abhandlung von Dr. Emil Kost aus dem Jahr 1948 wiedergegeben. Unter "2007" berichte ich über meine Begehung der Hohen Straße mit Bildern aus dem Jahr 2007.

Alter Straßenverlauf im Harthäuser Wald

Alte, aufgelassene Straßentrasse im Harthäuser Wald an der L1095


Schon archäologische Funde der Jungsteinzeit belegen immer wieder einen regen Fernhandel auch über größere Entfernungen. Spätestens in keltischer Zeit um 500 v.Chr. wird es dann wohl etablierte Fernwege gegeben haben. Wege in diese Zeit wurden nicht als künstliche Straßen gebaut, wie sie später die Römer anlegten. Die Wege waren mündlich überlieferte günstige Routen. Aufwand für Befestigung des Untergrunds wurde kaum getrieben, Brücken nicht gebaut. So ergab es sich von selbst, dass wichtige Fernverbindungen die Flusstäler mieden. Der Talgrund war sumpfig, oft überschwemmt und konnte an der Prallhangseite sehr eng werden. Zufließende, das Tal querende Bäche stellten zusätzliche Hindernisse dar. Wege der alten Zeit führten folglich über die Höhen. Mit der dichter werdenden Besiedelung der Täler und mit dem technischen Fortschritt im Straßenbau verloren diese Wege später ihre zentrale Bedeutung. Vielfältige Spuren finden sich aber noch heute.

Emil Kost begründete 1948 ausführlich seine Meinung, die Hohe Straße stamme aus keltischer oder sogar noch älterer Zeit. Er vermutet, dass die Anfänge der Straße um 1000 v.Chr. liegen. Die wichtigsten Argumente:

Die Hohe Straße war Teil der Fernverbindung von Speyer nach Nürnberg. Nach Westen wurde sie weitergeführt in Richtung Pariser Becken, nach Osten führte die Goldene Straße weiter nach Prag. Die Hohe Straße zwischen Kocher und Jagst behielt ihre Funktion über viele, viele Jahrhunderte. Die Bedeutung für den europäischen Fernverkehr ließ zwar schon ab dem Hochmittelalter nach, regional wurde sie aber weiterhin intensiv genutzt. Im Kochertal erfolgte z.B. in der Gegend von Niedernhall der Ausbau der Talstraße erst Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Auf weiten Strecken folgen auch heute noch Landstraßen dem alten Weg. In anderen Teilen sind kaum noch Spuren von ihm zu finden.

Ich bin weder Historiker noch Heimatkundler. Bei vielem, was ich schreibe, bewege ich mich auf dünnem Eis. Über Zuschriften mit Korrekturen und Ergänzungen würde ich mich daher sehr freuen: >> Anschrift <<