Imagines plantarum

Bildbearbeitung




  Mit dem Vormarsch der digitalen Fotografie ist eine wahre Flut von Programmen für die Bearbeitung von Bildern am PC auf den Markt gekommen. Fast jedem Scanner und jeder Kamera liegt eine einfache kostenlose Software bei. Das renommierteste Produkt ist jedenfalls nicht kostenlos: Adobe Photoshop kostet über 1000 Euro! Seine Nutzer betrachten traditionell alles andere als Spielzeug.

Meine Meinung: Das Werkzeug muss erstens der Aufgabe angemessen sein und zweitens muss man es beherrschen. Daher benutze ich schon seit langem Paint Shop Pro (PSP) von Jasc, das unter 100 Euro kostet. Einige andere habe ich kurz aber nicht intensiv ausprobiert. Dabei habe ich die übliche Erfahrung gemacht: Das, was man gut kennt, gefällt einem am besten. Aber eine Warnung an alle, die in die digitale Bildbearbeitung einsteigen wollen: Auch PSP ist ein Programm mit vielen komplexen Funktionen. Das über 500 Seiten starke Handbuch lässt es schon ahnen, dass die Einarbietung einiges an Durchhaltevermögen erfordert.

Aber so sehr viele Funktionen braucht der Pflanzen-Fotograf ja garnicht. Hier eine Auflistung, welche Funktionen von PSP 7 ich am häufigsten benutze. (Paint Shop Pro 8 habe ich kürzlich zwar gekauft, aber erst mal wieder beiseite gelegt, weil die Ergebnisse einiger meiner gewohnten Bearbeitungsschritte völlig unerwartet und ziemlich schlecht waren.)

Browser Er zeigt die Bilder eines Ordners in Form von Miniaturbildern an. Das ist unverzichtbar, um während der Arbeit ein bestimmtes Bild schnell zu finden. Die Nutzer von Windows XP kann sowas natürlich nicht mehr beeindrucken: Der Ordner "Eigene Bilder"wird z.B. standardmäßig als "Thumbnails" dargestellt.
Bild drehen Drehen um 90 um Hochformat-Bilder richtig darzustellen ist wohl die erste Funktion, die jeder anwendet.
beschneiden Mit der Maus wird ein Rechteck ins Bild gezogen, dessen Seiten dann noch verschoben werden können. Doppelklick ins Bild schneidet den äußeren Teil weg. Ich finde es ganz wesentlich, ein Bild so auf das eigentliche Motiv zu reduzieren. An Fotos im Ursprungsformat erkennt man oft den Anfänger... oder aber den wirklichen Könner, der sich schon vor der Aufnahme Gedanken um die Bildgestaltung macht. (Die digitalen Kameras verleiten aber wohl eher zum schnellen Drauflosknipsen.) Ganz nebenbei verringert das Abschneiden von überflüssigen Bildteilen auch noch den Speicherplatzbedarf.
Bildgröße ändern Diese Funktion wird gebraucht, um die Größe von Bildern zum Veröffentlichen im Internet oder zum Versand per Mail zu verringern. Mehr zum Internet an anderer Stelle.

Die Bildgröße gibt man im Zusammenhang mit digitaler Bildbearbeitung in Pixeln (oder Bildpunkten) an!

Leider herrscht hier eine beträchtliche Verwirrung, da einige billige Programme meinen, für den Laien sei es einfacher, wenn die Bildgröße in cm angegeben wird. Deshalb hier noch einmal ganz klar: Ein Bild wird beispielsweise als 2048 * 1536 = 3 145 728 Bildpunkte gespeichert. Zusätzlich kann bei manchen Dateiformaten auch noch eine Zahl in der Datei gespeichert sein, die angibt, wie viele dieser Punkte ein Druckprogramm standardmäßig pro inch drucken soll (DPI). Ein beliebter, voreingestellter DPI-Wert ist 72, was die Bildschirmauflösung eines Apple-Monitors in grauer Vorzeit gewesen sein soll.

Aus den Angaben für die Bildgröße und dem DPI-Wert kann eine Software dann hypothetische Bildabmessungen berechnen. Als Zahlen-Beispiel: Wenn zu der oben genannten Bildgröße ein DPI-Wert von 254 (=100 Punkte pro cm) angegeben ist, dann werden Ihnen Bildabmessungen von 20,48 * 15,36 cm angezeigt. Wenn Sie jetzt mit einem geeigneten Programm einen DPI-Wert von 127 in die Datei eintragen, dann ist das Bild scheinbar doppelt so groß geworden. An den eigentlichen Bilddaten hat sich dadurch aber nicht das geringste geändert; es sind weiterhin 2048 * 1536 Bildpunkte.
rückgängig machen Viele Bearbeitungsschritte nacheinander auch wieder rückgängig machen zu können ist eine Grundvoraussetzung für sinnvolles Arbeiten mit einem Bildbearbeitungsprogramm. Rückgängig-machen nur für den letzen Schritt ist absolut unzureichend, denn oft stellt sich erst nach mehreren Schritten heraus, dass man auf einem Irrweg ist. Dann ist das Bild aber ggf. schon stark beschädigt.
Unschärfe-Maske Das ist ein etwas irreführender Begriff. Tatsächlich handelt es sich um ein flexibeles Werkzeug zur künstlichen Erhöhung der Bildschärfe. Richtig Unscharf geratene Fotos sind damit allerdings nicht zu retten. Ich benutze die Funktion, um die leichte Unschärfe zu korrigieren, die sich mit PSP bei der Verkleinerung von Bildern einstellt. Jedenfalls ist das bei Paint Shop Pro Version 7 so; bei Version 8 scheinen viele interne Arbeitsweisen geändert worden zu sein.

Die Unschärfe-Maske erwartet bei PSP 7 drei Einstellwerte. Für Bilder mit einer Seitenlänge von etwa 500 Punkten sind meine Standard-Einstellungen: Radius: 1, Grad: 70, Differenzwert: 1. Bei größeren Bildern sollte der Radius auf 2 oder 3 erhöht werden.

Es gibt auch eine Funktion "Scharfzeichnen" ohne jeglich Einstellwerte. Ich benutze sie nicht, da sie mir einfach zu grob arbeitet.
Histogramm Jetzt kommt ein etwas abstrakteres Thema aus der Bildbearbeitung. Dazu muss zuerst etwas zum Thema Farben gesagt werden.

Neben Schwarz und Weiß, die so zu sagen als "Nicht-Farben" betrachtet werden, stehen in der klassischen Theorie Rot, Blau und Gelb als Grundfarben. Als Mischfarben ergeben sich Violett (Rot + Blau), Orange (Rot + Gelb) und Grün (Blau + Gelb). Weiß kann auch als Mischfarbe Rot + Blau + Gelb aufgefasst werden. Die Erfinder des Fernsehens haben diese Betrachtungsweise etwas modifiziert. Wegen der großen Bedeutung von Grün in sehr vielen Bildern wurden und werden als Hauptfarben Rot, Grün und Blau (RGB) übertragen. Gelb wird als abgeleitete Farbe (Grün - Blau) betrachtet. Die RGB-Betrachtungsweise ist heute Standard, wenn es um Bildschirmfarben geht. (Drucker arbeiten hauptsächlich mit der CMYK-Darstellung und aus der Fotografie kommen die Begriffe Farbton/Sättigung/Helligkeit. Alle drei Darstellungsarten sind ineinander umrechenbar.) RGB-Farben werden gerne als 6-stellige Hexadezimalzahlen dargestellt. Die ersten zwei Stellen geben die Intensität von Rot an, die nächsten zwei von Grün und die letzten zwei von Blau. Da zweistellige Hexadezimalzahlen einen Bereich von 00 bis FF abdecken, kann jede der Farbkomponenten eine von 256 Intensitätsstufen haben. Je größer der Zahlenwert, desto heller die Farbe. Hier ein paar Beispiele:

schwarz000000  Bevor Sie beginnen, mit Farben zu experimentieren, sollten Sie testen, ob Ihr Monitor richtig eingestellt ist. Der obere Teil des folgenden Bildes sollte tief schwarz, der untere rein weiß sein. In jedem der Felder sollte schwach ein großes X erkennbar sein.

Monitortest
rotFF0000 
grün00FF00 
blau0000FF 
weißFFFFFF 
grau808080 
gelbFFFF00 
bläulich259FD4 
grünlich25D49F 
ockerD49F25 


Nach diesem Exkurs zurück zum Thema Histogramm. Das Histogramm für die Farbe Rot zeigt in grafischer Form, wie häufig jeder der 256 möglichen Rottöne in einem Bild vorkommt. Analoges gilt für Grün und Blau. Die x-Achse läuft jeweils von 0 bis FF (=255). Links beginnt es jeweils mit schwarz und geht über dunkle und mittlere Farbtöne bis zur reinen Farbe (siehe die drei Zeilen 2, 3 und 4 der obigen Tabelle).

Was kann man jetzt an den Darstellungen ablesen? Interessant sind vor allem der linke und rechte Rand. Bei "normalen" Fotos sollten bei den Werten 0 und 255 (=FF) keine hohen Spitzen vorhanden sein, es sei denn, das Motiv enthält tatsächlich viel reines schwarz oder reines weiß. Sind am linken oder rechten Rand im Original-Bild schon extreme Spitzen vorhanden, dann ist wenig zu machen; das Foto wurde von der Digitalkamera falsch belichtet. Solche Fotos fallen meist durch überstarken Kontrast und dunkle bzw. helle Bereiche ohne erkennbare Details auf. Bei der Bearbeitung solte man Operationen vermeiden, die Farbkomponenten am linken oder rechten Rand des Histogramms zusammendrücken.

Anders sieht es aus, wenn links und/oder rechts im Histogramm flache Null-Bereiche vorhanden sind. Solche Fotos machen meistens einen flauen Eindruck (linke Bildhälfte). Hier ist durch eine geeignete Bearbeitung, z.B. Erhöhung des Kontrasts, eine deutliche Verbesserung des Bildes möglich.

Zusammengefasst: Die Histogramm-Darstellung benutze ich hauptsächlich zur Beurteilung der Auswirkungen von Änderungen an Helligkeit, Kontrast und Farben.
Kurvenjustierung Es gibt in PSP 7 eine ganze Reihe von Werkzeugen, mit denen man Kontrast, Helligkeit und Farben manipulieren kann. Viele Wege führen nach Rom. Ich habe mir als Univeralwerkzeug die Kurvenjustierung angewöhnt.



Da dieses Werkzeug, wie alle in PSP, sich die letzten Einstellungen merkt, sollte man ggf. daran denken, mit dem "zurück"-Schaltfeld unten rechts (hier nicht im Bild) alle Einstellwerte auf Null zu setzen.

Im Feld "Kanal" kann man auswählen, ob man eine der drei Grundfarben einzeln ändern will, oder alle zusammen (RGB). Die Kurve gibt für jeden der 256 möglichen Farbwerte an, wie er verändert wird. "Input" ist dabei der Farbwert im momentanen Bild, "Output" der Wert nach Ausführung der Änderung. Eine gerade Linie von der linken unteren in die rechte obere Ecke bedeutet folglich, dass am Bild nichts geändert wird; Input-Wert und Output-Wert sind für alle Farbwerte gleich. In den beiden Ecken sind zwei Markier- oder Anfass-Punkte vordefiniert, die die gerade Linie aufspannen. Weiter Punkte kann man durch Klicken auf die Linie definieren. Alle Manipulationen werden können jetzt durch Ziehen der Markierpunkte erledigt werden. Es empfiehlt sich, das Ergebnis durch Klicken auf das Augensymbol immer wieder in Bild und Histogramm zu überprüfen.

Hier jetzt ein paar Mini-Rezepte für Standardsituationen:

» Bildeindruck zu dunkel:
RGB wählen. Markierpunkt in die Mitte der Kurve setzen und durch Ziehen nach links oben die Kurve nach oben ausbeulen.

» Bildeindruck zu hell:
RGB wählen. Markierpunkt in die Mitte der Kurve setzen und durch Ziehen nach rechts unten die Kurve nach unten ausbeulen.

» Kontraste zu niedrig:
RGB wählen. Einen Markierpunkt in das untere Viertel der Kurve setzen, einen zweiten in das obere Viertel. Den unteren etwas nach unten ziehen, den oberen nach oben. Die Steigung der Kurve ist ein Maß für den Kontrast des Bildes. Durch die beschriebene, leicht S-förmige Verzerrung wird in einem breiten mittleren Bereich die Steigung der Kurve größer.

» Kontrast zu hoch:
RGB wählen. Zwei Markierungspunkte setzen wie oben. Da die Steigung der Kurve in der Mitte jetzt flacher werden soll, wird der untere etwas nach oben und der obere etwas nach unten gezogen.

Gegenüber den naheliegenden Funktionen unter dem Menüpunkt "Helligkeit / Kontrast" haben die vorgenannten Verfahren den Vorteil, dass Schwarz und Weiß unverändert bleiben. Scharz wird nicht zu Dunkelgrau und Weiß wird nicht zu Hellgrau. Andererseits werden auch sehr dunkle Farben nicht vollends ins Schwarz gedrückt und sehr helle Farben auch nicht vollends ins Weiß.

» Bild kontrastarm, Nullwert-Zonen links und rechts im Histogramm:
RGB wählen. den unteren Haupt-Markierpunkt etwas am Rand des Diagramms entlang nach rechts ziehen, den oberen am oberen Rand entlang etwas nach links. Wenn wirklich links und rechts im Histogramm gleich breite Nullwert-Zonen vorliegen, dann kann der Effekt genau so gut durch eine Erhöhung des Kontrasts im Menü "Helligkeit / Kontrast" erreicht werden. Ansonsten muss mit einer Kombination von Helligkeit und Kontrast gearbeitet werden.

Veränderungen der Helligkeit schieben das komplette Histogramm nach links oder recht, Veränderungen des Kontrast ziehen das Histogramm in die Breite oder drücken es zusammen. Die Wirkung dieser zwei Einstellwerte kann mit dem Kurven-Werkzeug einfach dadurch erreicht werden, dass die zwei Haupt-Markierpunkte auf den Rändern des Diagramms verschoben werden, ohne dass die Kurve mit weiteren Markierpunkten "ausgebeult" wird. Parallelverschiebungen der Linie nach links oben oder rechts unten bedeuten Helligkeitsänderungen, Veränderungen der Kurvensteigung bedeuten Kontrastveränderungen.

» Bild ist blaustichig:
Blau wählen. Markierpunkt in die Mitte der Kurve setzen und durch Ziehen nach rechts unten die Kurve nach unten ausbeulen. Genauso kann man Rot- oder Grünstiche entfernen. Bei der Manipulation der Einzelfarben muss man allerdings sehr vorsichtig vorgehen, da sehr schnell ein unnatürlicher Farbeindruck entstehen kann.

Kurz gesagt: Das Kurven-Justierwerkzeug ist das Schweizer Offiziersmesser von Paint Shop Pro zur Bearbeitung von Helligkeit, Kontrast und Farbe.


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